KW 18

Nahost-Krise könnte zu zwei Leitzinserhöhungen führen
Der Krieg im Nahen Osten und der daraus resultierende Energiepreisschock hält die Welt weiter in Atem. Die Folgen spüren Verbraucherinnen und Verbraucher aktuell beim Tanken, sie wirken sich auf Dauer aber auch auf Nahrungsmittelpreise oder Transportkosten aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) spricht von der potenziell größten Energiekrise der Neuzeit. Er erwartet bei einem kurzen Konflikt im Nahen Osten, dass die weltweite Inflation auf 4,4 % steigt. Bei ungünstigerer Entwicklung seien aber mehr als 6 % zu befürchten. Aufgrund des Iran-Konflikts und dessen Folgen hat Wirtschaftsministerin Reiche die Wachstumserwartung für die deutsche Wirtschaft deutlich gesenkt: Statt 1,0 % wird nur noch mit einem Wachstum von 0,5 % gerechnet.  

Ökonominnen und Ökonomen sehen einen Unterschied zum Inflationsschock, der auf die Corona-Pandemie folgte. Bei der Post-Corona-Inflation führten Lieferengpässe zu einem Anstieg der Produktionskosten und schränkten gleichzeitig die Produktion an Waren ein. Das traf auf eine hohe Nachfrage und steigende Löhne. Der Rohstoffmangel wurde durch den Angriff Russlands auf die Ukraine verstärkt und die Inflation in Deutschland lag 2022 im Jahresdurchschnitt bei 6,9 %. Aktuell handelt es sich um einen isolierten Energieschock, der die Inflation im März 2026 von 1,9 % auf 2,7 % steigen ließ. Ob das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale wie 2022 besteht, ist noch unklar. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat Prognosen für verschiedene Szenarien erstellt. Das Basisszenario beruht auf der Annahme, dass der Ölpreis im zweiten Quartal im Schnitt bei rund 90 Dollar je Fass liegt, der Konflikt aber zeitnah endet. In diesem Fall, glauben die Expertinnen und Experten, klettert die Inflation im Euroraum 2026 auf 2,6 %. Das schlechteste Szenario, in dem sich der Ölpreis bei 145 Dollar bewegt, führt zu einer Inflationsrate von 4,8 %. Dabei wird unterstellt, dass die EZB nicht eingreift. An den Märkten werden steigende Zinsen bereits erwartet. Investorinnen und Investoren rechnen mit zwei Anhebungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr, halten eine Entscheidung am 30. April aber für unwahrscheinlich. ( Statistikportal, Die Zeit+, ECB Watch,  Tagesschau)

Immobilienpreise steigen
Drei Jahre lang sind die Immobilienpreise in Deutschland inflationsbereinigt gesunken, dann zogen sie 2025 wieder leicht an. Das geht aus dem aktuellen Wohnatlas der Postbank hervor, der sich auf Preise für Eigentumswohnungen im Bestand bezieht. Der Aufwärtstrend zeigt sich vor allem in den Städten mit bis zu 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, wo die Wohnungen im Durchschnitt real um 1,2 % im Vergleich zum Vorjahr teurer wurden. Betrachtet man den Durchschnitt aller Landkreise und kreisfreien Städte betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahr real, also nach Abzug der Inflationsrate, 0,6 %. Im Jahr 2024 lagen die Preise real noch 2,8 % unter dem Vorjahresniveau und 2023 sogar 10,1 % darunter. Für den größten Ausreißer nach oben sorgte Potsdam mit +14,3 %. Die aktuell anziehenden Bauzinsen könnten den Anstieg der Immobilienpreise 2026 beeinflussen. „Natürlich dämpfen steigende Hypothekenzinsen für sich genommen die Häuserpreise“, sagt Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank. „Alles in allem dürfte der jüngste Zinsanstieg die moderate Erholung der deutschen Häuserpreise nicht zum Stillstand bringen.“ Für weiter steigende Preise spricht auch die anhaltende Knappheit an Wohnraum. (Postbank,  F.A.Z.+)

Vorsichtiger Aufwärtstrend im Wohnungsbau
Im Februar wurde der Bau von 22.000 Wohnungen genehmigt. Das ist eine Steigerung von 24,1 % im Vergleich zum Vorjahresmonat, zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau stieg sogar um 30,6 %. Der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft sieht darin einen Hoffnungsschimmer: „Es bleibt die Frage, wie tragfähig der Aufschwung ist“, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien-Ausschusses (ZIA), Aygül Özkan. Die Rahmenbedingungen für Investitionen blieben aufgrund geopolitischer Unsicherheiten, hoher Baukosten und Energiepreise fragil. Der Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen, Jan-Marco Luczak, sieht dagegen den Abwärtstrend beim Wohnungsbau als gebrochen: „Der Bauturbo wirkt. Vertrauen kehrt zurück.” Jörg Utecht, Vorstand der Interhyp Gruppe, gibt zu bedenken, dass die Genehmigungen erst mit einem Zeitversatz auch wirklich zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt beitragen. (Statistisches Bundesamt, Tagesschau)

Wie die Eigentumsquote gesteigert werden könnte
Im EU-Durchschnitt leben 68 % der Menschen in Wohneigentum. Spitzenreiter ist Rumänien mit einer Eigentumsquote von 94 %, Schlusslicht ist Deutschland mit einer Quote von nur 42 %. Auf Basis dieser Eurostat-Zahlen hat das Maklerunternehmen Remax eine Umfrage durchgeführt: 31 % der Befragten in Deutschland haben kein Interesse an einer eigenen Immobilie. Gerade Millennials sind demnach der Meinung, dass sie sich keine Immobilie werden leisten können und arrangieren sich mit ihrer Wohnsituation. Besonders eine Senkung der Kaufnebenkosten würde hier helfen. Je nach Bundesland betragen die mehr als 10 % des Kaufpreises und binden damit in vielen Fällen einen beträchtlichen Teil des Eigenkapitals. Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Norwegen mit einer Eigentumsquote von 79 %. Dort unterstützt der Staat den Immobilienkauf durch Steuererleichterungen und zinsgünstige Kredite. Die niedrige Eigentumsquote sei zudem ein Hinweis darauf, dass staatliche Förderprogramme meist eher Symbolpolitik als wirksames Instrument seien, unter anderem weil die Förderung im Verhältnis zu den hohen Bau- und Erwerbskosten gering ist, heißt es in der Analyse. (Eurostat, Statistisches Bundesamt, Housing Report)

Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.

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