Kaum Spielraum für sinkende Bauzinsen
Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins vergangene Woche unverändert bei 2,0 % belassen hat, mehren sich die Stimmen, die eine Zinserhöhung im Juni ins Spiel bringen. Die politische Lage im Nahen Osten sorgt für anhaltende Nervosität an den Finanzmärkten. Die Renditen der Staatsanleihen ziehen an und halten die Bauzinsen auf einem erhöhten Niveau von etwa 4 % für 10-jährige Darlehen. Die Expertinnen und Experten des Interhyp-Bankenpanels sehen derzeit kaum Spielraum für sinkende Bauzinsen. „Ich gehe nicht von signifikant sinkenden Bauzinsen in naher Zukunft aus. Daher würde ich auch Kaufinteressierten nicht dazu raten, darauf zu spekulieren. Gerade in der aktuellen Situation ist es ratsam, so viel Eigenkapital wie möglich in die Finanzierung einzubringen”, ordnet Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp-Gruppe, die Lage ein.
Eine Zinserhöhung könnte notwendig werden, falls sich die Inflationsaussichten nicht deutlich verbessern, sagte Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Er erwartet, dass sie wegen des Iran-Kriegs im Jahresdurchschnitt bei 2,7 % liegen könnte. Unter widrigen Umständen könnte sie noch höher ausfallen, so Nagel gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Auch EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis warnt, dass Europa vor einem „stagflationären Schock” stehe, falls sich das Wirtschaftswachstum abgeschwächt und die Inflation weiter steigt. Für Deutschland hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) seine Prognosen für 2026 auf 0,4 % Wachstum gesenkt – vor Beginn des Iran-Kriegs lag sie noch bei 0,9 %. (Finanzmarktwelt, Süddeutsche Zeitung)

Kompromiss beim Heizungsgesetz zulasten der Vermieterinnen und Vermieter?
Das Wirtschaftsministerium hat eine Überarbeitung des Heizungsgesetzes vorgestellt, das nun mit anderen Ministerien abgestimmt wird. Bis zum Sommer soll das Gesetz in Kraft treten. Kern des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) ist, dass Gas- und Ölheizungen auch nach 2045 eingebaut werden dürfen. Die Koalitionäre haben sich auf einen Kompromiss verständigt, wonach Vermieterinnen und Vermieter an den laufenden Heizkosten beteiligt werden sollen, wenn sie sich für eine neue Öl- oder Gasheizung entscheiden. Auf sie entfällt dann die Hälfte der Netzentgelte, des CO2-Preises und der Kosten für Bio-Brennstoffe, die ab 2029 verbindlich beigemischt werden müssen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht damit den letzten großen Streitpunkt rund um das geplante GMG aus dem Weg geräumt. Offen ist, ob in einigen Jahren ausreichend klimaneutrale Gase zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung stehen. Für Vermieterinnen und Vermieter ist eine „Härtefallklausel für unmodernisierte Gebäude mit im Ortsvergleich niedrigen Mieten“ vorgesehen, die allerdings noch ausgearbeitet werden muss. (BR24, Der Spiegel, F.A.Z.+)
Regierung beschränkt Indexmieterhöhungen
Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Reform des Mietrechts beschlossen. Ein Bestandteil ist die geplante Verschärfung der Indexmiete, bei der sich die Mieterhöhung an der Inflation orientiert. Bei den hohen Inflationsraten der Jahre 2022 (7,9 %) und 2023 (5,9 %) waren entsprechend hohe Steigerungen bei der Nettokaltmiete möglich. Das neue Mietrecht sieht vor, dass diese Erhöhung gedeckelt wird. Liegt die Inflation in einem Jahr über 3 %, soll der darüber liegende Teil der Steigerung nur zur Hälfte berücksichtigt werden. Allerdings ist diese Einschränkung nur in Gebieten mit Mietpreisbremse vorgesehen. Der Verband Haus & Grund kritisiert, dass gestiegene Kosten der Vermieterinnen und Vermieter dabei nicht ausreichend berücksichtigt werden. Auch bei Kurzzeitmietverträgen ist eine Verschärfung geplant. Künftig sollen Wohnungen maximal sechs Monate vermietet werden dürfen, unter bestimmten Voraussetzungen soll auf acht Monate verlängert werden können. (Haufe, Bundesregierung)
Blick in die Zukunft: Der Immobilienmarkt 2040
Die Zahl der Geburten in Deutschland erreichte 2025 den niedrigsten Stand seit 1946. Gleichzeitig gab es 352.000 mehr Sterbefälle als Geburten. „Die Alterung der Gesellschaft fordert auch die Immobilienmärkte heraus”, schreibt die F.A.Z. In einer Analyse entwickelte ING-Diba zwei Szenarien für die demographische Entwicklung: In der optimistischen Variante sind immer mehr Menschen bereit, für den Traum vom Eigenheim aufs Land zu ziehen. Für wahrscheinlicher halten die Ökonominnen und Ökonomen jedoch, dass die Menschen zur Miete in den Städten bleiben. Dadurch nehmen der ländliche Leerstand und der Druck in den Städten weiter zu. In vom Leerstand besonders betroffenen Regionen wie in Sachsen-Anhalt werden Kommunen kreativ, um Kaufinteressenten anzuziehen, berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk. So sollen Häuser angekauft, saniert und weiterverkauft werden, um Risiken für Käuferinnen und Käufer zu senken. (F.A.Z+., ING Report, Mitteldeutscher Rundfunk)
Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.