KW 30

Bürokratieabbau soll Tempo in den Wohnungsbau bringen
Mit dem zweiten Entlastungskabinett hat die Bundesregierung weitere Schritte zum Bürokratieabbau beschlossen und zugleich Bilanz gezogen. Seit dem ersten Entlastungskabinett wurden nach Regierungsangaben mehr als 40 Maßnahmen auf den Weg gebracht, die Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Verwaltung jährlich um rund zehn Milliarden Euro entlasten sollen. Im Mittelpunkt stehen weniger Berichts- und Dokumentationspflichten, schnellere Verfahren und mehr digitale Lösungen.

Für den Wohnungsbau ist dabei vor allem entscheidend, ob der Bürokratieabbau künftig dort ankommt, wo Projekte heute oft hängen bleiben: in Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozessen. Besonders relevant ist die angekündigte Genehmigungsfiktion. Vollständige Anträge sollen künftig nach einer bestimmten Frist als genehmigt gelten, wenn die Behörde nicht reagiert. Für die Bau- und Immobilienbranche wäre das ein wichtiger Perspektivwechsel – weg vom Warten auf Verwaltung, hin zu mehr Verbindlichkeit im Verfahren.

Auch bestehende Hebel sollen stärker wirken. Der Bau-Turbo ist bereits in Kraft, weitere Vorhaben wie das Baugesetzbuch-Upgrade, der Gebäudetyp E und die Digitalisierung von Immobilienprozessen sollen Planung, Genehmigung und Bauen zusätzlich einfacher und schneller machen. Das zweite Entlastungskabinett ist damit kein einzelner großer Beschluss für den Wohnungsbau, kann aber ein Verstärker für bereits angestoßene Maßnahmen sein.

Ob daraus tatsächlich mehr Tempo am Bau entsteht, wird sich erst in der Umsetzung zeigen. Entscheidend ist, dass die angekündigten Vereinfachungen nicht nur auf Bundesebene beschlossen werden, sondern auch in Ländern, Kommunen und Behördenpraxis ankommen. Angesichts hoher Baukosten, knapper Kapazitäten und weiterhin angespannter Wohnungsmärkte bleibt weniger Bürokratie ein wichtiger Baustein – ersetzt aber nicht die weiterhin nötigen strukturellen Reformen für schnelleres und günstigeres Bauen. (Bundesregierung, BMDS)

Prohyp-Immobilienpreisindex: Immobilienpreise ziehen im Juni wieder an
Nach einem Rückgang im Mai sind die Immobilienpreise in Deutschland im Juni wieder gestiegen. Laut aktuellem Prohyp-Immobilienpreisindex legten die Preise bundesweit im Vergleich zum Vormonat um 0,4 % zu. Damit setzt sich die Seitwärtsbewegung der vergangenen Monate fort: Auf kurzfristige Rückgänge folgen wieder leichte Anstiege. Insgesamt bewegen sich die Preise seit dem Sommer vergangenen Jahres in einem engen Korridor – mit leichter Tendenz nach oben.

In den Metropolen zeigt sich ein gemischtes Bild. In Berlin und Hamburg stiegen die Preise jeweils um 1,0 %, auch Frankfurt (+0,3 %) und Stuttgart (+0,2 %) legten leicht zu. In Köln blieben die Preise nahezu unverändert. In Leipzig (-0,2 %) und München (-0,6 %) gingen sie dagegen zurück.

Die Entwicklung zeigt: Der Markt bleibt in Bewegung, aber ohne größere Ausschläge. Gleichzeitig sorgen Wohnraummangel und eine grundsätzlich hohe Nachfrage nach Eigentum weiter für Preisdruck. Für Käuferinnen und Käufer bleibt daher weniger der perfekte Marktzeitpunkt entscheidend, sondern ob Objekt, Eigenkapital und Finanzierungsstruktur zusammenpassen. Für das laufende Jahr ist weiter mit leicht steigenden Preisen zu rechnen. (Prohyp-Immobilienpreisindex)

Wohneigentum: IW sieht deutlichen Steuernachteil für Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer
Wer in Deutschland eine Immobilie kauft und selbst einzieht, wird steuerlich deutlich schlechter gestellt als Käuferinnen und Käufer, die dieselbe Immobilie vermieten. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen

Wirtschaft (IW). Am Beispiel einer Wohnung in einer Metropole für 300.000 Euro errechnet das IW über 15 Jahre einen Nachteil von rund 87.000 Euro gegenüber einer vermieteten Immobilie.

Der Grund liegt in der steuerlichen Behandlung: Vermieterinnen und Vermieter können unter anderem Abschreibungen, Kreditzinsen und Instandhaltungskosten geltend machen. Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer haben diese Möglichkeit nicht. Außerhalb der Metropolen liegt der Nachteil laut IW immer noch bei 40.000 bis 50.000 Euro. 

Das IW sieht darin einen möglichen Grund für die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland. Während der EU-Schnitt bei rund 70 % liegt, betrug die Quote in Deutschland 2022 nur 44 %. Als möglichen Ansatz nennt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer für Selbstnutzerinnen und Selbstnutzer, um den Erwerb von Wohneigentum gezielter zu erleichtern. (IW)

Baupreise: Wohngebäude verteuern sich wieder stärker
Die Baupreise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude sind im Mai 2026 wieder deutlich gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt lagen sie 5,0 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Februar hatte der Preisanstieg im Vorjahresvergleich noch 3,3 % betragen. Gegenüber Februar 2026 erhöhten sich die Baupreise um 2,4 %.

Der Preisanstieg zeigt sich in nahezu allen Bereichen des Wohnungsbaus. Rohbauarbeiten verteuerten sich im Vorjahresvergleich um 4,9 %, Ausbauarbeiten um 5,1 %. Besonders stark legten Dachdeckungsarbeiten sowie Zimmer- und Holzbauarbeiten zu, die jeweils 7,3 % über dem Vorjahreswert lagen. Auch die Zeit verweist darauf, dass Bauherrinnen und Bauherren in vielen Gewerken mit höheren Kosten rechnen müssen – von Dachdecker- und Betonarbeiten bis hin zu Heizungen.

Für den Wohnungsbau bleibt das ein belastender Faktor. Zwar zeigen Baugenehmigungen zuletzt wieder nach oben, steigende Baupreise erschweren jedoch weiterhin die Kalkulation neuer Projekte und drücken auf die Wirtschaftlichkeit. Damit bleibt neben Zinsen und regulatorischen Anforderungen auch die Kostenentwicklung am Bau ein zentrales Thema für Neubau und Finanzierung. (Die Zeit,  Statistisches Bundesamt)

Zinsentwicklung im Juli 2026

Die erneute militärische Eskalation zwischen den USA und Iran sorgt für eine neue Dynamik an den Finanzmärkten und dürfte die Bauzinsen kurzfristig leicht steigen lassen. Mittel- bis langfristig geht die Mehrheit der befragten Expertinnen und Experten jedoch von einem stabilen Zinsniveau aus.

Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.

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