Mehr Auswahl für Käuferinnen und Käufer, aber Wohnen wird insgesamt teurer
Der deutsche Wohnungsmarkt zeigt derzeit zwei gegensätzliche Entwicklungen: Während Kaufinteressierte von einem wachsenden Angebot profitieren, bleibt die Lage für Mieterinnen und Mieter hochgradig angespannt. Dies belegt der aktuelle Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft für das zweite Quartal 2026. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen und Häuser steigen bundesweit nur moderat, während die Angebotsmieten weiterhin eine deutliche Dynamik nach oben aufweisen. Besonders auffällig ist, dass sich das Angebot an Kaufimmobilien seit der Zinswende deutlich ausgeweitet hat, während die Verfügbarkeit von Mietwohnungen in vielen Städten auf einem kritischen Tiefstand verharrt.
Für Kaufinteressentinnen und Kaufinteressenten ergeben sich daraus größere Spielräume und verbesserte Verhandlungsmöglichkeiten im Vergleich zu den Vorjahren. Von einem neuen rasanten Aufschwung am Immobilienmarkt kann jedoch nicht die Rede sein. Die Preisentwicklung verläuft regional höchst unterschiedlich: In einigen Metropolen sind punktuell leichte Preisrückgänge zu beobachten, während viele mittelgroße Städte und Umlandregionen moderate Zuwächse verzeichnen. Im Gegensatz dazu bleibt der Mietmarkt unter massivem Druck. Das knappe Angebot führt vielerorts zu weiter steigenden Belastungen und erschwert insbesondere den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum.
Für die Baufinanzierung resultiert daraus ein interessantes Umfeld: Das größere Angebot eröffnet potenziell attraktive Kaufgelegenheiten, während die anhaltend hohen Mieten für viele Haushalte den wirtschaftlichen Anreiz verstärken, den Erwerb von Wohneigentum zu forcieren. (Institut der deutschen Wirtschaft)
Bestandswohnungen verteuern sich deutlich stärker als Neubauten
Bestandsimmobilien rücken bei vielen Käuferinnen und Käufern wieder verstärkt in den Fokus. Ursächlich hierfür sind die unvermindert hohen Baukosten sowie die geringe Neubautätigkeit. Aktuelle Marktdaten verdeutlichen, dass die Preise für Bestandswohnungen wesentlich stärker steigen als jene für Neubauten. Während sich Neubauprojekte nur moderat verteuerten, legten die Preise für bestehende Wohneinheiten spürbar zu. Der Markt reagiert damit unmittelbar auf das begrenzte Angebot im Neubausegment und die verstärkte Suche nach kurzfristig verfügbaren Alternativen. ( immowelt impuls)
Mieten steigen deutlich stärker als die Inflationsrate
Wohnungssuchende bekommen die angespannte Marktlage bei den Mieten besonders deutlich zu spüren. Diese legten im zweiten Quartal bundesweit stärker zu als die allgemeine Teuerungsrate. Bemerkenswert ist, dass sich diese Entwicklung vor allem außerhalb der sieben größten Metropolen verschärft. Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln stiegen die Angebotsmieten im zweiten Quartal bundesweit um 4,0 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während die Inflationsrate bei rund 2,6 % lag. Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Plus 1,3 %. Besonders kräftig fiel der Anstieg in Großstädten außerhalb der Top-Standorte mit 4,9 % aus. In den Umlandregionen dieser Städte legten die Mieten um 3,9 % zu, während sie in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf um 2,9 % stiegen. Die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sowie Ein- und Zweifamilienhäuser erhöhten sich dagegen nur leicht um jeweils 0,8 %. Das Kaufangebot hat sich seit der Zinswende deutlich vergrößert, was die Autorinnen und Autoren der Studie primär auf eine gesunkene Nachfrage zurückführen. (Spiegel)
EZB wartet ab: Zinsschritt erst im September erwartet
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrer Sitzung vom 23. Juli 2026 entschieden, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Nach der ersten Zinssenkung im Juni legt die Notenbank damit wie erwartet eine Pause ein.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass man sich nicht auf einen festen Zinspfad festlegen werde; jede Entscheidung bleibe strikt von der aktuellen Datenlage abhängig. Hintergrund der Zurückhaltung ist der weiterhin
hohe Preisdruck im Dienstleistungssektor und ein robustes Lohnwachstum im Euroraum. Marktbeobachterinnen und Marktbeobachter sowie Analystinnen und Analysten richten ihren Blick nun auf die nächste Sitzung im September: Dann liegen neue Projektionen für das Wirtschaftswachstum und die Inflation vor, die als Grundlage für eine mögliche zweite Zinssenkung dienen könnten. Für Immobilienkäuferinnen und Immobilienkäufer bedeutet dies vorerst eine Seitwärtsbewegung bei den Finanzierungskosten. (Süddeutsche Zeitung)
Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.