Neue Spielregeln für Käufer und Eigentümer
Der deutsche Immobilienmarkt sendet ein widersprüchliches Signal: Nominal legen die Preise vielerorts noch zu, real verlieren Wohnimmobilien aber an Wert. Laut aktuellem GREIX-Kaufpreisindex Q2 2026, über den DER SPIEGEL berichtet, verteuerten sich Eigentumswohnungen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,4 % und Einfamilienhäuser um 1,9 %. Mehrfamilienhäuser wurden dagegen nominal um 3,5 % günstiger gehandelt. Inflationsbereinigt dreht sich das Bild vollständig: Eigentumswohnungen liegen real 2,1 % im Minus, Einfamilienhäuser 0,7 % und Mehrfamilienhäuser 5,9 %. Damit sind Wohnimmobilien gemessen an der Kaufkraft heute weniger wert als vor einem Jahr.
Für Kaufinteressierte bedeutet das: Der Markt wird nicht automatisch billig, aber die Preisdynamik verliert spürbar an Kraft. Gleichzeitig bleibt die Lage regional uneinheitlich. In Düsseldorf und Köln entwickelten sich die Preise für Eigentumswohnungen im Quartalsvergleich positiv, während Frankfurt am Main und Stuttgart Rückgänge verzeichneten. Auch die Marktaktivität zeigt kein einheitliches Bild: Bei Wohnungen stieg die Zahl der Verkäufe im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr, bei Ein- und Mehrfamilienhäusern blieb sie weitgehend stabil.
Die zentrale Botschaft für Käufer und Eigentümer lautet deshalb: Entscheidend ist nicht allein der nominale Kaufpreis, sondern die reale Leistbarkeit. Wer verkaufen will, trifft auf ein Umfeld mit nachlassendem Preisauftrieb. Wer kaufen will, findet punktuell bessere Einstiegschancen, muss aber regional sehr genau hinschauen und Finanzierung, Eigenkapital und langfristige Tragfähigkeit sauber kalkulieren.(DER SPIEGEL)
Verkäufermarkt war gestern: Häuser bleiben länger liegen
Die aktuellen Preisdaten zeigen nicht nur, dass Immobilien real an Wert verlieren. Sie verändern auch das Kräfteverhältnis am Markt. Laut WELT bekommen Verkäuferinnen und Verkäufer die neue Lage inzwischen konkret zu spüren: Angebotspreise werden häufiger nach unten angepasst, Interessenten zögern und einzelne Objekte erhalten deutlich weniger Anfragen als noch vor einem Jahr. Wer mit Preisvorstellungen aus den Boomjahren startet, riskiert längere Vermarktungszeiten. Besonders ältere Bestandsimmobilien geraten unter Druck, weil Käuferinnen und Käufer Finanzierung, Sanierungsbedarf, energetische Anforderungen sowie steigende Handwerks- und Materialkosten stärker einpreisen. Marktgerecht bewertete Immobilien finden weiterhin Käuferinnen und Käufer, überhöhte Forderungen führen dagegen schneller dazu, dass Häuser länger liegen bleiben. (WELT)
Wohnraummangel hier, Leerstand dort: Wo Kaufen sinnvoll bleibt
Der Traum vom Eigenheim ist schwieriger geworden, aber nicht überall unerreichbar. Laut Handelsblatt entscheidet heute vor allem die Region: In Metropolen wie München, Frankfurt oder Berlin bleibt Wohneigentum für viele Haushalte rechnerisch außer Reichweite. Außerhalb der großen Städte gibt es dagegen weiterhin Märkte, in denen sich der Kauf eher darstellen lässt. Nach dem im Handelsblatt zitierten Erschwinglichkeitsbarometer des Immobilienanalysehauses Empirica im Auftrag der Bausparkasse LBS könnten rund 39 % der 30- bis 44-jährigen Miethaushalte die laufende Finanzierung stemmen. Der Engpass liegt jedoch beim Eigenkapital: Im Schnitt werden inzwischen rund 131.000 Euro benötigt.
Besonders deutlich wird die aktuelle Lage am Paradox des Wohnungsmarkts: Während in wirtschaftsstarken Städten wie Hamburg, Berlin oder Münster bezahlbarer Wohnraum knapp ist und der marktaktive Leerstand teils nahe null liegt, stehen in anderen Regionen viele Wohnungen leer. Das Handelsblatt nennt unter anderem das Altenburger Land, Greiz und den Erzgebirgskreis, wo schon heute jede sechste Wohnung leer steht und sich die Lage weiter verschärfen könnte. Für Käuferinnen und Käufer heißt das: Ein Hauskauf lohnt sich vor allem dort, wo Immobilien noch erschwinglich sind, die Nachfrage stabil bleibt und die Immobilie langfristig selbst genutzt werden soll. Wer dagegen in Regionen mit Bevölkerungsrückgang, hohem Leerstand und schwacher Nachfrage kauft, trägt ein deutlich höheres Wertentwicklungsrisiko. (Handelsblatt)
Photovoltaik wird Pflicht: Was Immobilienbesitzer wissen müssen
Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz kommt erstmals eine bundesweit einheitliche Solarpflicht. Für Eigentümerinnen und Eigentümer, Bauherren und Kaufinteressierte wird Solarenergie damit stärker Teil der Kosten- und Finanzierungsplanung. Laut Haufe müssen ab 2027 zunächst neue öffentliche Nichtwohngebäude sowie neue Nichtwohngebäude mit mehr als 250 Quadratmetern Nutzfläche mit Photovoltaik oder Solarthermie ausgestattet werden. Ab 2028 betrifft die Pflicht auch bestimmte Bestandsgebäude, ab 2030 neue Wohngebäude unabhängig von ihrer Größe. Wer neu baut, modernisiert oder ein Objekt mit Sanierungsbedarf kauft, sollte mögliche Pflichten, Ausnahmen und Zusatzkosten frühzeitig prüfen. (Haufe)
Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.