EZB-Zinsentscheidung spielt bei der Bauzinsentwicklung nur die zweite Geige
In ihrer aktuellen Leitzinssitzung hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag die Leitzinsen unverändert belassen. Der vorläufige Verzicht auf eine Zinserhöhung trotz der stark steigenden Öl- und Energiepreise entsprach den mehrheitlichen Erwartungen der Marktteilnehmer. Die längerfristigen Inflationserwartungen seien fest verankert und die Wirtschaft habe sich in den letzten Quartalen als widerstandsfähig erwiesen, heißt es in der Begründung der EZB zum Zinsentscheid. Gleichwohl will der EZB-Rat die Auswirkungen des Iran-Krieges genau beobachten und bei Bedarf reagieren. Derzeit erwartet die EZB 2,6 % Inflation für dieses Jahr und 2,0 % für 2027. Die Inflationssorgen spiegeln sich nicht nur in der EZB-Zinspolitik, sondern auch am Markt für langfristige Zinsanlagen und Baukredite wider. Nach einem Zinstief in der vergangenen Woche sind die Zinsen für Immobiliendarlehen zuletzt wieder um durchschnittlich 0,06 Prozentpunkte gestiegen. Interhyp-Vorstand Jörg Utecht rechnet mit volatilen Zinsen auf erhöhtem Niveau und sieht den Nahostkonflikt als wichtigen Einflussfaktor: „Das aktuelle Zinsumfeld wird stärker von der Geopolitik und den Inflationserwartungen geprägt als von der EZB-Geldpolitik.“ Finanzierungssuchende könnten jedoch von der aktuellen Unruhe am Zinsmarkt profitieren, schreibt die Wirtschaftswoche in einem aktuellen Artikel. Laut einer Auswertung von langfristigen Marktdaten sei in Phasen schnell ansteigender Zinsen die Differenz zwischen günstigen und teuren Darlehensanbietern besonders groß. Grund dafür sei, dass die Banken unterschiedlich schnell auf Marktveränderungen reagieren. Damit sei es momentan besonders lukrativ, vor dem Finanzierungsabschluss mögliche Nachzügler bei Zinserhöhungen zu recherchieren. (EZB, Interhyp, WiWo)
Baugenehmigungen: Aufwärtstrend mit Risiken
Der leichte Aufschwung bei den Baugenehmigungen hält an, meldet das Statistische Bundesamt. Im Januar wurden in Deutschland 19.500 neue Wohnungen genehmigt, das ist gegenüber dem Vorjahresmonat ein Zuwachs von 8,4 %. Mit 12,6 % verbuchten Einfamilienhäuser einer stärkeres Wachstum als Mehrfamilienhäuser (plus 7,1 %). Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, sieht darin positive Signale. Allerdings verweist er darauf, dass die Basis für das Wachstum die extrem niedrigen Genehmigungszahlen vor einem Jahr waren, und warnt: „Der Mangel ist nicht kleiner geworden. “ Als wirksames Instrument für eine Beschleunigung der Bautätigkeit sieht Pakleppa den Gebäudetyp E. Dieser müsse jedoch bis zum Sommer zur Verfügung stehen, da der Effekt ansonsten verpuffe. Um den Wohnungsmangel zu beheben, sei ein monatlicher Anstieg der Genehmigungen um 10.000 Wohneinheiten erforderlich. Unterdessen warnt Konjunkturforscher Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung vor möglichen Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Baukonjunktur. Eine höhere Inflation und steigende Zinsen könnten den Anstieg der Genehmigungszahlen bereits im Sommer wieder dämpfen. ( Statistisches Bundesamt, Zentralverband Deutsches Baugewerbe, Stern online)
Nachfrage und Kaufpreise: Uneinheitliche Entwicklung am Immobilienmarkt
Der Immobilienmarkt ist derzeit verschiedenen und teils gegenläufigen Einflussfaktoren ausgesetzt: Auf der einen Seite wirken steigende Finanzierungszinsen dämpfend auf die Kaufnachfrage, auf der anderen Seite sorgt die anhaltende Wohnungsknappheit dafür, dass Preiskorrekturen ein eher seltenes Phänomen sind. Gleichwohl verzeichnen manche mittelgroße Städte eine steigende Nachfrage bei stagnierenden oder gar leicht rückläufigen Kaufpreisen, berichtet ImmoScout24 in einer aktuellen Marktanalyse. So hat etwa in Bamberg das Kaufinteresse um 55 % zugelegt, während die Preise nur um 0,4 % gestiegen sind. In Passau sind die Preises trotz 50 % höherer Nachfrage sogar um 1,8 % gesunken. Umgekehrt erhöhten sich in Siegen und Hagen die Preises um 5,8 % bis 8,9 %, obwohl sich die Nachfrage um 13 % bzw. 5 % reduzierte. Für die Metropolen zeigt der aktuelle Interhyp-Immobilienpreisindex ebenfalls ein differenziertes Bild: In München legten die Immobilienpreise zuletzt um 1,1 % zu, während sie in Köln um 0,5 % nachgaben. Angesichts der viel zu geringen Neubautätigkeit erwarten Immobilienexpertinnen und -experten für 2026 einen Preiszuwachs von bundesweit durchschnittlich 3,3 %. ( ImmoScout24, Interhyp)
Deutschland verfehlt Klimaschutzziele im Gebäudesektor
Laut Klimabilanz des Umweltbundesamtes hat Deutschland im vergangenen Jahr seine Klimaschutzziele im Gebäudesektor verfehlt. Gegenüber dem Jahr 2024 stiegen die Emissionen von Gebäuden in Deutschland um 3,4 % auf 103,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Auf Basis der bestehenden Gesetzgebung sieht das Umweltbundesamt im Vergleich zu 1990 einen Rückgang des CO2-Ausstoßes bis 2030 um 62,6 %. Gesetzlich vorgeschrieben sind jedoch 65 %. Wird das Klimaschutzziel verfehlt, kann es für Deutschland teuer werden: Weil der Staat beim Verfehlen der Einsparziele Emissionsrechte nachkaufen muss, rechnet das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie bis 2030 mit Mehrkosten bis zu 22 Milliarden Euro. Bis zum 25. März will Bundesumweltminister Carsten Schneider daher ein Klimaschutzprogramm vorlegen. Offen ist noch, ob es aufgrund der neuen Zahlen Änderungen an der umstrittenen Reform des Heizungsgesetzes gibt, die nach derzeitigem Planungsstand einige Vorschriften zum Umstieg auf klimafreundliche Heizungen zurücknehmen soll. (Haufe.de)
Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.