KW 24

EZB vor Zinsschritt in schwieriger Lage
Die anhaltend hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs setzen die Wirtschaft im Euroraum zunehmend unter Druck. Öl und Gas haben sich deutlich verteuert und treiben die Inflation spürbar nach oben. Im Euroraum lag sie zuletzt bei rund 3,0 % und damit deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank. Gleichzeitig schwächt der Preisanstieg die wirtschaftliche Entwicklung, da sowohl Unternehmen als auch private Haushalte stärker belastet werden. Für die Europäische Zentralbank (EZB) ergibt sich daraus ein schwieriges Umfeld. Steigende Energiepreise erhöhen die Inflation und reduzieren die Kaufkraft, während die Konjunktur gleichzeitig an Dynamik verliert. Diese Kombination erschwert geldpolitische Entscheidungen, da Maßnahmen gegen die Inflation die ohnehin schwache Wirtschaft zusätzlich belasten können.

Auch zuletzt leicht rückläufige Inflationsraten geben dabei nur begrenzt Entwarnung. Ökonominnen und Ökonomen sprechen von einer „trügerischen Ruhe“, da die Kerninflation weiter steigt und Unternehmen höhere Energiekosten voraussichtlich weitergeben werden. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski rechnet daher damit, dass die Inflation in den kommenden Monaten weiter anziehen könnte. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass die EZB nun reagieren wird. Für die Sitzung am 11. Juni erwarten viele Marktteilnehmende eine Anhebung des Leitzinses – auch, um die Inflationserwartungen zu stabilisieren und Zweitrundeneffekte zu vermeiden. Für den Finanzierungsmarkt ist das ein wichtiges Signal: Steigende Leitzinsen dürften sich zunehmend auch in den Kapitalmarktzinsen widerspiegeln und damit Einfluss auf die Bauzinsen nehmen. Die weitere Entwicklung hängt dabei maßgeblich davon ab, wie nachhaltig der Energiepreisschock wirkt und wie entschlossen die EZB darauf reagiert. (Tagesspiegel, TagesschauTagesschau,  Börsenzeitung Report)

Heizungsgesetz: Kritik an Kostenrisiken für Vermieterinnen und Vermieter
Die geplante Reform des Gebäudeenergiegesetzes sorgt für zunehmende Kritik aus der Immobilienwirtschaft. Verbände wie Haus & Grund warnen davor, dass bis zu drei Millionen Mietwohnungen vom Markt verschwinden könnten. Hintergrund ist vor allem die Situation bei bestehenden Gasetagenheizungen: In vielen Fällen sei der Umstieg auf alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen technisch schwierig oder wirtschaftlich kaum darstellbar. Gleichzeitig sieht der Gesetzentwurf vor, dass Vermieterinnen und Vermieter sich künftig an den Heizkosten beteiligen müssen, wenn sie weiterhin auf fossile Heizungen setzen. Aus Sicht der Verbände führt das zu schwer kalkulierbaren Kostenrisiken. Einige Eigentümerinnen und Eigentümer könnten sich daher entscheiden, Wohnungen nicht weiter zu vermieten oder zu verkaufen – mit potenziell spürbaren Auswirkungen auf das ohnehin angespannte Angebot am Mietmarkt. Auch Sozialverbände warnen vor steigenden Mieten als Folge der Reform. Die Bundesregierung weist die Kritik jedoch zurück und betont, dass der Entwurf ausreichend Flexibilität bei der Wahl der Heizsysteme ermögliche. Im weiteren parlamentarischen Verfahren sind zudem noch Anpassungen möglich. (Tagesspiegel)

Energetische Sanierung: Viele Vermieterinnen und Vermieter zögern
Die energetische Modernisierung des Wohnungsbestands kommt nur schleppend voran. Laut einer aktuellen Umfrage der DI Deutschland. Immobilien AG und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) planen 59 % der privaten Vermieterinnen und Vermieter derzeit keine Maßnahmen wie neue Heizungen oder Dämmungen, das sind 11 % mehr als im Vorjahr. Als Hauptgründe gelten unklare politische Rahmenbedingungen, steigende Anforderungen und schwer kalkulierbare Kosten. Entsprechend zurückhaltend ist die Investitionsbereitschaft: Nur rund die Hälfte hat in den vergangenen Jahren überhaupt modernisiert. Wenn saniert wird, stehen wirtschaftliche Motive im Vordergrund, etwa Energieeinsparungen oder Wertsteigerung. Hohe Kosten, fehlende Dringlichkeit und geringe Nachfrage werden dagegen häufig als Gründe gegen Maßnahmen genannt. Die Entwicklung zeigt: Ohne klare Vorgaben und verlässliche Förderstrukturen dürfte die Dynamik bei energetischen Sanierungen weiter begrenzt bleiben. (Spiegel, Handelsblatt)

IW-Gutachten: Wohnungsmarkt bleibt unter Druck – neue Förderlogik gefordert
Der deutsche Wohnungsmarkt bleibt angespannt: In vielen Regionen übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich, während die Bautätigkeit zuletzt spürbar zurückgegangen ist. Gleichzeitig besteht im Gebäudebestand erheblicher Handlungsbedarf, insbesondere bei energetischen Sanierungen. Vor diesem Hintergrund plädiert ein aktuelles Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für eine Neuausrichtung der Förderpolitik. Staatliche Förderung sollte demnach nur gezielt und unter klaren Bedingungen erfolgen so etwa bei Marktunvollkommenheiten oder in außergewöhnlichen wirtschaftlichen Situationen. Eine dauerhafte Subventionierung des regulären Wohnungsbaus sehen die Autorinnen und Autoren kritisch. Im Zentrum stehen dabei vier Handlungsfelder: die Stabilisierung von Wohnungsmarkt und Konjunktur, die Förderung von Wohneigentum, mehr Nachhaltigkeit sowie stärkere Technologieförderung. So könnten etwa zeitlich befristete Programme Bautätigkeit in Schwächephasen stabilisieren, während Förderinstrumente gezielt die Eigenkapitallücke beim Immobilienerwerb schließen sollen. Zugleich bleibt Förderung bei energetischen Sanierungen und klimafreundlichen Technologien zentral. Entscheidend ist aus Sicht des IW jedoch eine klar strukturierte und verlässliche Förderarchitektur, die Planungssicherheit schafft und Investitionen im Wohnungsbau langfristig anstößt. ( IW Köln)

Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.

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