Baukosten runter, Neubau rauf – Regierung legt 13-Punkte-Plan vor
Die Lage im Wohnungsbau bleibt angespannt: Die Baukosten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung belastet private Bauherrinnen und Bauherren, Investorinnen und Investoren und die öffentliche Hand gleichermaßen. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum hoch – gerade in Ballungsräumen und Wachstumsregionen. Hohe Baukosten sind einer der Hauptgründe, warum in Deutschland zu wenig gebaut wird.
Genau hier setzt die aktuelle politische Diskussion an. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat bei einer Konferenz der Bau- und Immobilienbranche in Frankfurt am Main einen „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten“ vorgelegt. Im Fokus stehen drei Hebel: Technologie und Innovation, Förderung und Anreize sowie Koordination und Regulierung. Maßnahmen des vorgestellten, jedoch nicht rechtsverbindlichen Aktionsplans umfassen unter anderem:
- Digitaler Bauantrag: Bauanträge sollen bis 2028 in den Ländern grundsätzlich digital und medienbruchfrei erfolgen. Papieranträge sollen nur noch in Härtefällen möglich sein.
- Planungs- und Genehmigungsbeschleunigung: Bauleitplanverfahren sollen durch digitale Standards und eine digitale Verfahrensampel transparenter und schneller werden; Ziel ist eine Begrenzung auf maximal zwei Jahre.
- Serielles und modulares Bauen: Industrielle, standardisierte Bauweisen sollen stärker gefördert werden, unter anderem durch Boni für kürzere Bauzeiten und niedrigere Baukosten sowie eine bessere Nutzung von Typengenehmigungen.
- Sekundäre Bauteile und Materialzulassung: Wiederverwendung, Recycling und neue Baumaterialien sollen erleichtert werden, um Rohstoffkosten zu senken und Abhängigkeiten von Lieferketten zu reduzieren.
- Gebäudetyp E: Rechtssichere Abweichungen von bestimmten Standards und technischen Normen sollen erleichtert werden, ohne Sicherheit, Gesundheit oder Umweltschutz zu gefährden. Ein Gesetzentwurf ist noch für 2026 angekündigt.
- Zentrales Förderprogramm Neubau: Die bisher fragmentierte Bundesförderung soll ab 2027 in einem zentralen, modularen Neubauprogramm gebündelt werden – mit Anreizen für kosten- und flächeneffizientes Bauen.
- Effektive Finanzierungsmöglichkeiten: Privates Kapital soll stärker für bezahlbaren Wohnungsbau mobilisiert werden, unter anderem über einen Fonds für bezahlbares Wohnen mit Unterstützung der KfW.
(Bundesministerium für Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung; Haufe)
Vermieterbefragung: Mehr Vorschriften, weniger Mietwohnungen?
Neue Mietrechtspläne könnten den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt weiter verschärfen: Laut einer Vermieterbefragung denken viele Eigentümerinnen und Eigentümer darüber nach, Wohnungen aus dem Markt zu nehmen – vor allem wegen wachsender Regulierung und steigender Kosten. Geplante Eingriffe wie strengere Regeln für möblierte Vermietung, gedeckelte Mieten oder eine Begrenzung von Kurzzeitverträgen sollen zwar Mieterinnen und Mieter schützen. Kritikerinnen und Kritiker warnen jedoch vor unerwünschten Nebenwirkungen: Wenn sich Vermieten weniger lohnt, könnte das Angebot weiter schrumpfen. Laut der bundesweiten Haus & Grund Vermieterbefragung 2026 denken sechs von zehn Vermieterinnen und Vermietern darüber nach, ihre Vermietungstätigkeit ganz oder teilweise aufzugeben und den Wohnraum zu verkaufen. Dabei ist weniger die einzelne Maßnahme ausschlaggebend als vielmehr die kumulative Wirkung der Regulierung. ( Handelsblatt)
Gebäudemodernisierungsgesetz: Zwischen Klimazielen und Investitionsanreizen
Während die Bundesregierung mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz mehr Flexibilität beim Heizungstausch schaffen will, warnen Bundesrat und Expertinnen und Experten vor Rückschritten beim Klimaschutz, steigenden Kosten und rechtlichen Unsicherheiten. Ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommt zu dem Ergebnis, dass das Gesetz möglicherweise gegen das Grundgesetz verstoßen könnte, weil es Klimaschutzlasten zu stark in die Zukunft verschiebt. Bezugspunkt ist das Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021, wonach heutige Politik künftige Generationen nicht unverhältnismäßig belasten darf. Besonders brisant ist das Gutachten für die Union, weil das Gesetz eines ihrer zentralen Wahlversprechen umsetzen soll: Das bisherige Heizungsgesetz der Ampel soll abgelöst werden, künftig sollen auch neue Öl- und Gasheizungen wieder möglich sein.
Kritik kommt nicht nur von Grünen und Linken, sondern auch aus der CDU selbst. Thomas Heilmann von der Klimaunion hatte die Pläne von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bereits zuvor als verbesserungsbedürftig bezeichnet. (Tagesschau.de, WirtschaftsWoche)
Neubauförderung: Verlängerung für den EH55-Plus-Standard
Die Neubauförderung für den EH55-Plus-Standard wird verlängert: Ursprünglich sollte das Programm Ende Juni 2026 auslaufen, nun können Anträge weiterhin gestellt werden – bis die Mittel ausgeschöpft sind, längstens jedoch bis Jahresende. Gefördert werden Neubauten im Effizienzhaus-55-Standard, die vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Laut Bundesbauministerium konnten durch das Programm bereits rund 33.700 Wohneinheiten aktiviert werden, die zuvor nur geplant waren. Noch stehen etwa 343 Millionen Euro bereit. Die Förderung soll weiterhin möglichst mit einem Zinssatz von 1 % effektiv pro Jahr bei zehn Jahren Laufzeit und zehn Jahren Zinsbindung abrufbar sein. Ziel bleibt, den Wohnungsbau trotz hoher Kosten und schwieriger Marktbedingungen zu stabilisieren. (AssCompact)
Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.