KW 28

Reformpaket der Koalition – Rückenwind für bezahlbaren Wohnungsbau
Für den Wohnungsmarkt enthält das am Donnerstag vorgestellte Reformpaket von CDU, CSU und SPD zwei wichtige Signale: ein Bekenntnis zum bezahlbaren Neubau und eine Blockade der Idee, private Wohnungskonzerne zu verstaatlichen. Dass der Wohnungsbau im Koalitionsausschuss – neben Steuern und Rente – eine so prominente Rolle spielte, war nicht selbstverständlich. Im Fokus stehen Bezahlbarkeit und Investitionssicherheit. 

Für mehr Bezahlbarkeit soll eine Wohnungsbaugesellschaft für bezahlbares Wohnen (WBG) gegründet werden – ursprünglich eine Idee von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Sie soll den sozialen Wohnungsbau für Haushalte stärken, die reguläre Marktmieten nicht mehr ohne Weiteres tragen können, und serielles Bauen im großen Stil voranbringen. Der Hebel liegt in der Finanzierung: Weil der Staat sehr kreditwürdig ist, könnte die WBG ihre günstigen Konditionen über hohe Auftragsvolumina an private Bauunternehmen weitergeben und deren Finanzierungskosten senken – selbst bauen soll sie aber nicht. Flankierend soll auch den Banken die Kreditvergabe erleichtert werden, um mehr Menschen zu Eigentum zu verhelfen. 

Die zweite Stoßrichtung sichert privates Kapital ab: Der Bund will die Verstaatlichung privater Wohnungsunternehmen auf Landesebene per Gesetz unterbinden. Hintergrund ist Berlin, wo im September gewählt wird und die in Umfragen führenden Parteien eine Vergesellschaftung großer Bestände – faktisch eine Enteignung – befürworten. Banken warnen, schon die Debatte gefährde den Standort weit über Berlin hinaus, weil internationale Investorinnen und Investoren dann weniger Kapital bereitstellen würden. Entscheidend wird nun das Tempo: Ob die Berliner Initiative gestoppt wird, hängt davon ab, wer sein Gesetz zuerst durch das Parlament bringt – das Land Berlin oder der Bund. ( Zeit Online)

Inflation im Euroraum fällt deutlich – die EZB gewinnt Zeit
Der Preisdruck im Euroraum lässt nach: Im Juni stieg die Teuerungsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat nur noch um 2,8 % und lag damit erstmals seit Monaten wieder unter der Marke von 3 %. Im Mai hatte die Rate laut Schnellschätzung von Eurostat noch bei 3,2 % gelegen. Der Rückgang fiel stärker aus als von Ökonominnen und Ökonomen erwartet. Wesentlicher Treiber der Entspannung sind die zuletzt gesunkenen Energiepreise nach der Beruhigung im Nahen Osten.
In Deutschland fiel die Inflation nach europäischer Berechnungsmethode (HVPI) auf 2,4 %, in Frankreich sogar auf 2,0 %. Die EZB, die eine Teuerung von 2,0 % anstrebt, hatte den Einlagenzins im Juni infolge des Iran-Kriegs um 25 Basispunkte auf 2,25 % angehoben. Mit dem nachlassenden Preisdruck dürfte die Notenbank nun mehr Zeit haben, die Lage zu beurteilen – eine weitere Straffung bereits im Juli wird unwahrscheinlicher, ist aber nicht vollständig vom Tisch.
Ob die Prognosen dauerhaft in Richtung Zielmarke drehen, bleibt jedoch offen. ING-Chefökonom Carsten Brzeski ordnet die Entwicklung so ein:
„Angesichts des jüngsten Rückgangs der Energiepreise ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass zumindest die Prognosen für die Gesamtinflation plötzlich einen Wert unter 2 % für das Jahr 2027 anzeigen könnten.“ Solange die Prognosen für die Kerninflation aber nicht nach unten korrigiert werden, dürfte einer weiteren Zinserhöhung 2026 nach Einschätzung von Brzeski kaum etwas im Weg stehen. (Handelsblatt,  Börsen-Zeitung)

„Gewerbe zu Wohnen“: Neues Förderprogramm startet zum 1. Juli
Aus leerstehenden Büros und Gewerbeflächen soll neuer Wohnraum werden: Zum 1. Juli 2026 ist das Bundesförderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ ges artet. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) stellt dafür in diesem Jahr 300 Millionen Euro bereit. Investorinnen und Investoren – von selbstnutzenden Personen bis zu Gesellschaften – können für jede durch Umnutzung neu geschaffene Wohneinheit einen Zuschuss von bis zu 30.000 Euro beantragen, der nicht zurückgezahlt werden muss. Pro Unternehmen ist die Förderung auf 300.000 Euro gedeckelt. Mietobergrenzen sind nicht vorgesehen.
Gefördert werden bis zu 30 % von maximal 100.000 Euro förderfähigen Ausgaben pro Wohneinheit, etwa für Grundrissänderungen, Innenausbau oder die Anpassung der Baukonstruktion. Voraussetzung ist eine Sanierung mindestens auf das energetische Niveau „Effizienzhaus 85 Erneuerbare Energien“; für Baudenkmäler gelten Ausnahmen. Der Antrag muss vor Vorhabenbeginn gestellt werden, eine Kombination mit anderen Förderungen wie der BEG ist grundsätzlich möglich.
Der Bedarf ist groß: Mehr als zwölf Millionen Quadratmeter Bürofläche stehen leer, die Leerstandsquote in den relevanten Märkten ist von rund 2 % (2019) auf 5,6 % (2024) gestiegen. Das Potenzial ist erheblich – Schätzungen reichen von rund 11.000 (JLL) bis zu 60.000 möglichen Wohnungen (Ifo) allein in den größten Städten. Allerdings rechnet sich der Umbau nicht überall: hohe Baukosten, aufwendige Umbauten und eine teils fehlende Wohnlage-Infrastruktur bleiben Hürden. (Haufe, Handelsblatt)

Kaufen oder mieten? Postbank Wohnatlas 2026 sieht den Kauf vielerorts im Vorteil
Der Wohnungskauf hat sich gegenüber der Miete zuletzt spürbar verbilligt: In 284 von 400 untersuchten Kreisen und Städten ist der Kauf einer Bestandswohnung im Vergleich zur Miete günstiger geworden – so der dritte Teil des Postbank Wohnatlas 2026 (HWWI). Der Grund: Die Nettokaltmieten stiegen inflationsbereinigt im Schnitt um 2,2 %, während Kaufpreise real nur rund 0,6 % zulegten. Der Vervielfältiger – die Zahl der Jahresnettokaltmieten für eine vergleichbare Eigentumswohnung – sank bundesweit von 24,8 auf 24,4.
Als besonders attraktiv gelten 51 Regionen mit moderatem Vervielfältiger (unter 25) und guten Aussichten auf reale Preissteigerungen von 0,6 % oder mehr pro Jahr bis 2035 – überwiegend in den westlichen Bundesländern und im Umland der Metropolen. Für Käuferinnen und Käufer bleibt der Blick aufs Detail wichtig: In Lagen mit sehr hohem Vervielfältiger, etwa in Ferienregionen, besteht das Risiko, dass künftige Preissteigerungen bereits eingepreist sind.(Haufe / Postbank Wohnatlas 2026)

Aktuelle Finanzierungskennzahlen

Abgebildet sind Durchschnittswerte auf Basis der Finanzierungskennzahlen der Interhyp Gruppe. Pfeile zeigen die Trendentwicklung im Vergleich zum Vormonat an.

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